Lassen Sie uns mal provokativ sein, wenn wir sagen, dass das meiste, was über Digitalisierung in diesen Tagen gesagt oder geschrieben wird, banal oder schlichtweg Quatsch ist. Ein weites Feld für Beratung, eine Veranstaltung folgt der nächsten. Gut gemeinte Ratschläge und ernst gemeinte Horrorszenarien machen die Runde.  Es ist zwar schon alles gesagt worden, aber noch nicht von allen. Irgendwie fühlt sich jeder angesprochen.

Digitalisierung findet seit Jahren statt. Sie ist selbst im Alltag so omnipräsent, dass wir uns längst an sie gewöhnt haben. Maschinen ersetzen Menschen, Menschen werden mit Maschinen vernetzt. Das Schlagwort weckt Träume und Ängste. Welche Konsequenzen das mit sich bringen wird in den nächsten zehn Jahren kann man sich mit ein wenig Fantasie lebhaft vorstellen. Und doch kann es dann ganz anders kommen. Wer einen Wissensvorsprung hat, behält ihn für sich selbst, denn das ist ein Wettbewerbsvorteil von großem Wert. Den Berater, dessen teurer Rat wirklich gut ist, muss man erst mal finden.

Auf der Suche nach einem Rezept, das die Symptome lindert, aber nicht an die Ursachen geht, haben sich Methoden wie Scrum oder Design Thinking ausgebreitet. Gute Methoden, so wie viele andere Methoden auch. Doch mit Digitalisierungsheldentum hat das wenig zu tun.

Wir sind der Auffassung, dass es gerade im Kontext der voranschreitenden Digitalisierung mehr denn ja um den Menschen geht. Wie gehen Menschen im beruflich und privaten Kontext mit den Möglichkeiten und Konsequenzen der Digitalisierung um? Sind sie in der Lage, die radikalen Veränderungen und Infragestellungen des lange Bewährten konstruktiv und gestalterisch zu verarbeiten oder besser noch zu gestalten? Der Kontext, in dem wir Arbeiten hat sich durch neue Technologien und Internet geändert. Er schafft mehr Raum für nutzerorientierte Lösungen und direkte Kommunikation.

Unser Sinnkonstrukt jedoch hat sich seit Jahrzehnten nicht viel geändert. Wir denken immer noch in Hierarchien, Silos und 40 Stunden Arbeitswochen. Die wachsenden Möglichkeiten der Nutzung neuer Technologien machen diese gedanklichen Begrenzungen überflüssig.

Die Arbeitswelt ist komplexer geworden und der Chef kann schon lang nicht mehr alles wissen und managen. Die Silos verlangsamen die Produktivität und mit der Zeit werden wir weniger arbeiten müssen, um unser Ziel zu leisten. Was machen wir mit der freiwerden Zeit?

Unternehmen suchen oft nach externen Lösungen und übersehen dabei ihr eigenes Potential.  Die tatsächliche Organisationsintelligenz und erst recht ihr ungenutztes Potential sind meist größer als die Unternehmen selbst vermuten. Das hat unsere Befragung von rund 50 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen gezeigt. http://bit.ly/WP-OI-Analyse

Die heutigen Herausforderungen haben zwar auch mit Digitalisierung zu tun, liegen aber vor allem in der Entwicklung eines neuen Verständnisses und der Neugestaltung von Arbeit, Zusammenarbeit und Führung. Ähnlich wie am Beginn der Industrialisierung vor 150 Jahren befinden wir uns heute am Beginn einer revolutionären Veränderung. Sie positiv zu gestalten erfordert alle Potenziale der internen und externen Intelligenz. Und vor allem einen klaren Blick und die Konzentration aufs Wesentliche. Und das ist der Mensch.