Man kennt sie mittlerweile, diese zeitgeistgetriebenen Wanderprediger, die von Stadt zu Stadt ziehen und mit ihrer Sprechblasenrhetorik in regelmäßigen Abständen immer wieder eine neue Sau über die Bühnen unterschiedlichster Management- und Beratungskonferenzen treiben.

Vom Change zur Transformation, von der Innovation zur Disruption, von NewWork und Unternehmensdemokratisierung bis zur Digitalisierung – immer gibt es was zu sagen auf der Bühne oder im „Experten“-Panel –  und immer gibt es ein Auditorium.

Ungeniert beziehen sie sich auf geistige Größen wie Peter Drucker, Charles Darwin, Adam Smith oder Joseph Schumpeter und benutzen ihre Namen, um sich selbst groß zu reden. Was dabei herauskommt ist bestenfalls Mittelmaß. Und die verstorbenen Denker können sich gegen diese Inanspruchnahme nicht mehr wehren. Was für ein Etikettenschwindel.

Nun erschien unter dem Titel „Warum mich die disruptiv-digital-transformatorischen Keynote-Sprechautomaten nerven“ kürzlich im Internet ein zumindest lesenswerter Beitrag zu diesem Thema. Auch wenn wir selbst manches noch mal differenzierter sehen, finden wir diesen Artikel so lesenswert, dass wir hier heute den Link dorthin platzieren, damit Sie ihn lesen können. Er endet übrigens mit dem Satz: „Schickt doch die Keynote-Sprechautomaten nicht mehr auf die Konferenzbühnen, sondern in die Bibliotheken. Da machen sie weniger Lärm“. Dieser Satz findet unsere uneingeschränkte Zustimmung.

Jeder sollte weniger von dem lesen was heutige Zeitgeist-Apologeten von sich geben und dafür etwas mehr von dem, was wirklich kluge Köpfe schon lange vor uns erkannt haben. Lernfähigkeit hat mehr mit Bescheidenheit zu tun als mit Selbstdarstellung.

Also: Lest die Originale von Drucker, Darwin, Popper, Smith, Schumpeter, Aristoteles oder wem auch immer. Lest die Originale, statt Euch unverstandenes Halbwissen über dieselben anzuhören oder anzulesen. Und: Lest quer über die Grenzen der Disziplinen hinweg. Das kostet Zeit und ist anstrengend. Aber es führt zu einer eigenständigen Auseinandersetzung mit klugen Gedanken. Genau das ist es, was wir in diesen Zeiten brauchen, mehr denn je und das nicht nur als Berater.